©Ben KuhlmannInterview mit Xavi Calvo und Roberto Heredia vom WDC 2022 aus Valencia
Valencia ist im Mai zu Gast in Frankfurt: Am 7. und 8. Mai findet im WDC Hub das internationale Projekt „Aperitivo: Spanish Design in Conversation“ statt. Gefördert vom spanischen Kulturministerium und realisiert in Zusammenarbeit mit der Design Foundation of the Region of Valencia sowie dem Spanish Design Association Network (READ), bringt das Format spanische Designer:innen mit der lokalen Kreativszene zusammen.
Zu den Initiatoren zählt Xavi Calvo, ehemaliger CEO der World Design Capital Valencia 2022. Bei seinem Besuch traf er gemeinsam mit Roberto Heredia, Project Director der Design Foundation of the Region of Valencia, das Team der WDC 2026 zum Austausch über Erfahrungen und Impulse aus dem WDC-Prozess.
Was bleibt, wenn das Veranstaltungsjahr von World Design Capital vorbei ist? Für Valencia war der Titel der World Design Capital 2022 weit mehr als ein kulturelles Schaufenster: Sie wurde zum Ausgangspunkt eines langfristigen Transformationsprozesses in der spanischen Stadt.
Im Gespräch mit dem WDC - Team Frankfurt RheinMain 2026 ziehen Xavi Calvo, CEO der World Design Capital Valencia 2022 und Roberto Heredia, Project Director at the Design Foundation of the Region of Valencia, Bilanz und zeigen, wie es gelungen ist, Design dauerhaft in Politik, Wirtschaft und Stadtgesellschaft zu verankern.
Ihre Erfahrungen liefern zugleich eine wertvolle Perspektive für WDC Frankfurt RheinMain 2026: Denn auch hier geht es nicht nur um Veranstaltungen und Sichtbarkeit, sondern um strukturelle Wirkung – um die Frage, was bleibt nach dem Jahr mit mehr als 2000 einzelnen Veranstaltungen in der Region?
©Ben KuhlmannWie fällt Ihr persönliches Resümee des Jahres als World Design Capital Valencia aus?
Xavi Calvo und Roberto Heredia: Von Anfang an war es mir vor allem wichtig, sicherzustellen, dass die WDC Valencia 2022 nicht zu einer reinen Show wird. Es war eine tägliche Herausforderung, auf etwas Tiefergehendes hinzuarbeiten: den Aufbau eines bedeutungsvollen und dauerhaften Vermächtnisses. Über die Veranstaltungen hinaus bestand die eigentliche Errungenschaft darin, die Grundlagen für einen langfristigen Wandel zu schaffen und Design als strategisches Instrument für die Zukunft der Stadt zu positionieren.
Was war aus Ihrer Sicht der größte Erfolg von WDC Valencia?
Xavi Calvo und Roberto Heredia: Der größte Erfolg war, dem Design eine Stimme in der Bevölkerung zu geben. Es ist uns gelungen, das Stigma des Designs als etwas Oberflächliches oder Ästhetisches zu durchbrechen und stattdessen seine soziale Dimension hervorzuheben: Design als Instrument zur Verbesserung des Lebens der Menschen. Dieser Wahrnehmungswandel, vom Objekt zur Wirkung, war entscheidend.
Welche Veränderungen sind in der Stadt heute noch spürbar?
Xavi Calvo und Roberto Heredia: Design ist heute stärker in der Politik, in Unternehmensstrategien und in alltäglichen Gesprächen präsent. Dies ist in bemerkenswert kurzer Zeit geschehen, was beachtlich ist. Es ist jedoch auch ein Prozess, der aufrechterhalten werden muss, der politische Veränderungen und Umbrüche in der öffentlichen Verwaltung bewältigen und die tägliche Arbeit der Bildung und Interessenvertretung auf vielen Ebenen fortsetzen muss.
Was hat WDC Valencia konkret für die Stadtgesellschaft und die Kreativszene bewirkt?
Xavi Calvo und Roberto Heredia: Es mag wie ein Klischee klingen, aber es hat die Verbindungen innerhalb des gesamten Ökosystems tatsächlich gestärkt. Es hat neue Möglichkeiten geschaffen, die Zusammenarbeit gefördert und das Selbstvertrauen sowie die Sichtbarkeit lokaler Talente gestärkt. Die Brücken, die zwischen Designern, Institutionen und der Industrie geschlagen wurden, sind sehr real.
In welchen Bereichen hat das Jahr besonders nachhaltige Spuren hinterlassen?
Xavi Calvo und Roberto Heredia: Vor allem in der Wahrnehmung von Design als etwas Nützlichem, einem kulturellen Wandel hin zum Verständnis von Design als Werkzeug mit echter Wirkung. Dies ist das Ergebnis einer bedeutenden gemeinsamen Anstrengung in den Bereichen Bildung und Bewusstseinsbildung. Das ist etwas, das ich im Laufe der Zeit auch in Frankfurt RheinMain beobachtet habe, und ich finde diese Kontinuität wirklich inspirierend.
Welche Projekte, Strukturen oder Initiativen sind aus dem WDC-Jahr dauerhaft geblieben?
Xavi Calvo und Roberto Heredia: Die Design Foundation ist eine der wichtigsten Nachfolgestrukturen, die für Kontinuität und langfristige Umsetzung sorgt. Wir haben die Kontinuität auch durch jährliche Ausgaben wichtiger Initiativen sichergestellt, die während der World Design Capital Valencia 2022 ins Leben gerufen wurden, wie beispielsweise die Paradís-Vorträge, die Konferenz „Future of Fashion“ und Plattformen wie den Valencia Design Hiring Guide, die Website „Valencian Design Icons“ und die Valencia Design Map, die heute alle Teil eines nachhaltigen Jahresprogramms sind. Darüber hinaus bauen Programme wie das València Design Fest (das 2022 als World Design Street Festival ins Leben gerufen wurde) weiterhin auf der Dynamik auf, die 2022 entstanden ist.
Hat WDC Valencia die Wahrnehmung von Design in Politik und Verwaltung verändert?
Xavi Calvo und Roberto Heredia: Auf jeden Fall. Wie bereits erwähnt, gibt es mittlerweile ein klareres Verständnis von Design als bereichsübergreifendes und strategisches Instrument. Das ist im valencianischen Kontext etwas ganz Neues und hat bereits zu greifbaren Ergebnissen geführt.
©Ben KuhlmannWie hat sich die Haltung der Stadtverwaltung und Politik gegenüber Design entwickelt?
Xavi Calvo und Roberto Heredia: Unser Ansatz basierte darauf, das Verständnis von Design und seinen Prozessen zu verändern und es als Investition statt als Kostenfaktor zu positionieren. Im Laufe der Jahre haben wir Hunderte von Beispielen und Fallstudien vorgestellt, um diese Vision zu untermauern. Realistisch betrachtet sind nicht alle politischen Vertreter gleichermaßen sensibel oder engagiert, was Design angeht, aber der Fortschritt ist offensichtlich. Das Engagement, das 2018 mit der Bewerbung um den Titel „World Design Capital“ begann, hat zu konkreten Ergebnissen geführt: Valencias Ernennung zur UNESCO-Stadt des Designs, öffentliche Ausschreibungen zur Förderung designbezogener Initiativen sowie die Fortführung und Erweiterung von Strukturen wie dem Design Council, der während des WDC-Jahres gegründet wurde. Trotz politischer Veränderungen sind die Auswirkungen bis heute spürbar.
Wie hat sich die Haltung der Stadtverwaltung und Politik gegenüber Design entwickelt?
Xavi Calvo und Roberto Heredia: Unser Ansatz basierte darauf, das Verständnis von Design und seinen Prozessen zu verändern und es als Investition statt als Kostenfaktor zu positionieren. Im Laufe der Jahre haben wir Hunderte von Beispielen und Fallstudien vorgestellt, um diese Vision zu untermauern. Realistisch betrachtet sind nicht alle politischen Vertreter gleichermaßen sensibel oder engagiert, was Design angeht, aber der Fortschritt ist offensichtlich. Das Engagement, das 2018 mit der Bewerbung um den Titel „World Design Capital“ begann, hat zu konkreten Ergebnissen geführt: Valencias Ernennung zur UNESCO-Stadt des Designs, öffentliche Ausschreibungen zur Förderung designbezogener Initiativen sowie die Fortführung und Erweiterung von Strukturen wie dem Design Council, der während des WDC-Jahres gegründet wurde. Trotz politischer Veränderungen sind die Auswirkungen bis heute spürbar.
Was hat das Jahr für die internationale Sichtbarkeit Valencias gebracht?
Xavi Calvo und Roberto Heredia: Es hat Valencia als glaubwürdigen und aktiven Akteur im globalen Design-Netzwerk positioniert. Dies wird durch Wirkungsstudien eindeutig belegt, insbesondere hinsichtlich der internationalen Medienreichweite, wo das Image Valencias als kreative und designorientierte Stadt so stark wie nie zuvor vermittelt wurde. Heute ist Design Teil der internationalen Erzählung Valencias.
Was ist aus Ihrer Sicht das wichtigste Vermächtnis von WDC Valencia – für die Stadt, die Menschen und die Kreativszene?
Xavi Calvo und Roberto Heredia: Ein Umdenken. Design wird heute als ein Prozess verstanden, der unser Leben, unsere Arbeit und unseren Umgang miteinander verbessert. Darüber hinaus – und eng verbunden mit der Medienresonanz – ist Design nicht mehr auf eine Nische beschränkt, sondern wird heute von den Mainstream-Medien in Kultur, Wirtschaft und Industrie aufgegriffen. Diese bereichsübergreifende Präsenz ist eine große Errungenschaft und der Schlüssel für die Kontinuität über das Jahr 2022 hinaus.
Was sollte unbedingt weitergeführt werden, damit der Effekt langfristig anhält?
Xavi Calvo und Roberto Heredia: Institutionelles Engagement, internationale Zusammenarbeit und nachhaltige Investitionen in designorientierte Initiativen. Genau aus diesem Grund haben wir die Design Foundation gegründet: um Kontinuität zu gewährleisten und zu vermeiden, dass 2022 zu einem einmaligen Moment der Sichtbarkeit wird. Das Ziel war immer, einen langfristigen Transformationsprozess in Gang zu setzen.
Was hat WDC Valencia konkret für lokale Gestalter:innen und Kreative verändert?
Xavi Calvo und Roberto Heredia: Sie hat die Sichtbarkeit erhöht, Netzwerke erweitert und neue Möglichkeiten für sektorübergreifende Zusammenarbeit eröffnet. Außerdem hat sie die Rolle von Designern als Akteure des Wandels innerhalb der Gesellschaft gestärkt.
©Ben KuhlmannWas war für Sie der emotional stärkste Moment im WDC-Jahr – und warum?
Xavi Calvo und Roberto Heredia: Das Jahr selbst war intensiv und temporeich, sodass kaum Raum zum Nachdenken blieb. Doch einer der bewegendsten Momente ereignete sich gegen Ende, während der Abschlussfeier. Es war ein Moment, in dem man wirklich all das würdigen konnte, was erreicht worden war, und den immensen Einsatz eines Teams, das Hunderte von Aktivitäten ermöglicht hatte. Als ich mir das Zusammenfassungsvideo ansah, war es fast überwältigend zu sehen, wie viel in so kurzer Zeit passiert war. Es weckte auch ein starkes Verantwortungsgefühl, die Notwendigkeit sicherzustellen, dass all dies nicht nur ein flüchtiger Moment bleiben würde, sondern als bleibendes Vermächtnis fortbestehen würde.
Wenn Sie künftigen World Design Capital-Städten ein kurzes Mantra mitgeben könnten – wie würde es lauten?
Xavi Calvo und Roberto Heredia: Denkt über das Jahr hinaus und baut für das Jahrzehnt.
