- AfkV Höchst - Amt für künstlerische Vermessung
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Im Rahmen der WDC 2026 erforscht das Amt für künstlerische Vermessung die Bedeutung von Industrie und großmaßstäblicher Strukturen für die Identität urbaner Räume am Beispiel des Frankfurter Stadtteils Höchst.
Zwei Vermesser:innen mit künstlerischem oder gestalterischem Hintergrund werden eingeladen, in einmonatigen Residenzen den Industriepark Höchst – eine prägende, meist unzugängliche Großstruktur – zu untersuchen. Das AfkV geht mit der bevorstehenden Öffnung des Bolongaropalastes in Höchst einher. Beide Orte, Palast und Industriepark, stehen exemplarisch für urbane Macht-, Produktions- und Bedeutungsräume, die den Stadtteil prägen: sichtbar in ihrer Architektur, unsichtbar in Narrativen und sozialen Ordnungen.
Das Projekt eröffnet durch künstlerische Perspektiven neue Zugänge zu den Grenzen, Bildern und Geschichten, die zwischen Alltag, Industrie, Erinnerung und Zukunft entstehen – und schafft so einen Dialograum über die Rolle solcher Orte für die Stadtgesellschaft. Der Austausch zwischen Kunst, Stadtgesellschaft und Industrie wird durch Ausstellungen und ein Rahmenprogramm vertieft.
1. Amtsleitung: Sarah Hachem
Amtszeit und Workshops: 29.08.-26.09.2026
Ausstellung: 29.09.-01.10.2026
Sarah Hachem ist eine libanesisch-deutsche Künstlerin und lebt in Berlin. In ihren multimedialen, installativen Arbeiten bringt sie Objekte, Texte, Fundstücke, Klang, lebende Materialien und Recherche zu räumlichen Versuchsanordnungen zusammen, in denen wissenschaftliche, alltägliche und poetische Perspektiven gleichberechtigt aufeinandertreffen. An der Schnittstelle von Kunst, Architektur und künstlerischer Forschung untersucht sie koloniale und gesellschaftliche Narrative von Raum, Körper und Wissen und entwickelt ortsspezifische Arbeiten, die bestehende Ordnungen hinterfragen und neue Beziehungen erfahrbar machen.
Ausgangspunkt von Sarah Hachems Arbeit ist die Frage, wie Industrie den Alltag eines Stadtteils prägt und welche Spuren sie in seinen Materialien hinterlässt. Mit der Installation Vermessung im Wasser folgt Sarah Hachem den Wegen von Mainwasser, Pflanzen, Fetten, Laugen und anderen Stoffen durch Höchst und untersucht, wie Industrie, Stadt und Alltag miteinander verbunden sind. Im Zentrum der Installation steht ein Kreislauf aus Rohren und unterschiedlichen Waschbecken, die über einen geschlossenen Wasserkreislauf miteinander verbunden sind. Das Wasser wird immer wieder durch Rohrleitungen gepumpt, die an die Infrastruktur des Industrieparks und an die alltäglichen Infrastrukturen der Stadt erinnern. An ihnen hängen Handseifen, die in gemeinsamen Workshops mit Anwohner*innen aus Höchst entstehen. Sie laden zum Händewaschen ein und verändern sich mit jeder Benutzung. Für ihre Herstellung recherchiert Sarah Hachem Materialien aus Höchst und sammelt sie – wo möglich – vor Ort. Die Materialien werden Teil der Installation. Ihre Ursprünge, Verarbeitungen und Wege machen Verbindungen zwischen Industriepark, Stadt und Alltag sichtbar. Mit der Zeit nimmt das Wasser Spuren seiner Benutzung auf. Rund um den Kreislauf liegen Fundstücke, Pflanzen, Zeichnungen, historische Dokumente und Materialien aus Höchst. Die Installation bewegt sich zwischen Waschraum, Brunnen, Seifenküche, Labor, Atelier und Archiv. Mit der Zeit verbindet der Kreislauf Stoffe, Spuren, Menschen und Geschichten.
2. Amtsleitung: Johanna Dembinski
Amtszeit und Workshops: 06.10.-2.11.2026
Ausstellung: 12.11.-15.11.2026
Johanna Dembinski ist eine interdisziplinäre Künstlerin und Kunstvermittlerin mit einem Schwerpunkt auf Keramik. Die Beschäftigung mit dem Ungeklärten und Unverständlichen, mit Mythen, Mutmaßungen und Aberglauben bildet den Ausgangspunkt für ihre Arbeiten. In Interviews und partizipativen Prozessen erforscht sie unseren Umgang mit dem Ungewissen, sammelt Randnotizen des Übernatürlichen und phantastische Erklärungsmodelle für nicht begreifbare Phänomene. Johanna untersucht Imagination als Bewältigungsstrategie, Resilienzfaktor und Möglichkeitsraum, um gegenwärtige Zustände zu hinterfragen und Transformationen anzustoßen. Was die Menschen ihr mitteilen, übersetzt sie in keramische Kartografien, spekulative Gebrauchsanleitungen und Diagramme. Sie entwirft fiktive Bewegungen und verschachtelte Enzyklopädien. Johanna hat Freie Kunst an der Bauhaus-Universität in Weimar und an der Athens School of Fine Arts studiert. Sie lebt und arbeitet in Leipzig.
Johanna Dembinski entwickelt gemeinsam mit Menschen aus Höchst eine Karte ortsbezogener Rätsel, Zweifel und Fragestellungen im Stadtteil. Während Karten üblicherweise abbilden, was wir wissen oder glauben herausgefunden zu haben, richtet das Projekt den Blick auf das Ungewisse. Wie sieht eine Karte aus, die keine Fakten verzeichnet, sondern Leerstellen und Fragen sichtbar macht? Mit welchen Strategien lässt sich unser Nichtwissen kartieren? Für die Vermessung lädt Johanna Menschen aus Höchst ein, ihre Erzählungen und Perspektiven einzubringen. Sie interviewt Nachbar*innen und organisiert Workshops, die mit Methoden der kritischen Kartografie arbeiten. Die Beobachtungen der Menschen übersetzt sie in eine Karte der ungeklärten und unerklärlichen Ereignisse im Vermessungsgebiet Höchst.
Die beiden Künstlerinnen wurden über einen Open Call ausgewählt. Zu den Jury-Mitgliedern zählten Konstantin Lannert (Historisches Museum Frankfurt), Tülay Günes (Post-migrantische Architektur- und Stadtforscherin aus Höchst), Martin Böttcher (Vorsitzender Raum für kulturelle Fragen e.V.), sowie Jurek Werth (social.form) und Carla Riechardt (social.form).
Das AfkV ist eine von social.form (Architekturbüro für Projektentwicklung, Raum & Aktion, Darmstadt) entwickelte Methode zur städtebaulichen Erhebung. In Höchst wird das AfkV in Kooperation mit dem Kulturverein Raum für kulturelle Fragen e.V. umgesetzt, der die Projektträger:innenschaft inne hat.
Der im Stadtteil ansässige Verein Raum für kulturelle Fragen e.V. führt das Projekt gemeinsam mit social.form, Architekturbüro für Projektentwicklung, Raum & Aktion aus Darmstadt durch. Als lokale Akteur:innen sind bereits das Historisches Museum Frankfurt, das Stadtteilmanagement Frankfurt-Höchst und die Projekt Stadt – Eine Marke der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt dabei. Wir freuen uns über weitere Akteur:innen aus dem Stadtteil – Kommt gerne auf uns zu!



